Slip Casting: Wie aus flüssigem Ton meine Tasse „Noa“ entsteht
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Behind the Scenes

Slip Casting: Wie aus flüssigem Ton meine Tasse „Noa“ entsteht

Mirko Meister·

Slip Casting wirkt auf den ersten Blick technisch, ist für mich aber ein sehr haptischer und ruhiger Prozess. Gerade bei meinen Coffee Cups geht es nicht nur um eine saubere Form, sondern auch um Oberfläche, Tiefe und Charakter. Bei meiner Tasse **„Noa“** entsteht dieser Charakter vor allem über die Kraterstruktur, die ich im lederharten Zustand einarbeite.


Gießen: Flüssiger Ton trifft Gipsform
Der Start ist der Schlicker, also flüssiger Ton. Ich gieße ihn in trockene Gipsformen. Der Gips zieht Wasser aus dem Schlicker, dadurch bildet sich an der Wand der Form nach und nach eine feste Tonschicht.
Wie dick diese Schicht wird, steuere ich über die Zeit. Wenn die gewünschte Wandstärke erreicht ist, gieße ich den überschüssigen Schlicker wieder aus. In der Form bleibt ein hohler Rohling zurück.


2) Antrocknen und Entformen
Danach ruht das Stück in der Form, bis es stabil genug ist, um entformt zu werden. Dieser Moment ist sensibel: zu früh entformen kann Verzug verursachen, zu spät macht die Formdetails stumpfer oder erhöht das Risiko für Spannungen.
Nach dem Entformen folgt die erste Nacharbeit: Gießnähte entfernen, Kanten säubern, Proportionen kontrollieren.

3) Lederhart: Die „Noa“-Krater entstehen
Wenn der Ton **lederhart** ist (also nicht mehr weich, aber noch gut bearbeitbar), bekommt meine Tasse „Noa“ ihren entscheidenden Schritt: Ich arbeite **kleine Krater in die Oberfläche**.
Das hat zwei Funktionen:

  1. Mehr Tiefe im Materialbild – die Tasse wirkt lebendiger und bekommt eine eigene Topografie.
  2. Spannenderes Glasurbild – Glasur sammelt sich in Vertiefungen anders als auf Kanten. Dadurch entstehen beim Brand Kontraste und ein differenzierter, organischer Look. Für mich ist genau das der Punkt, an dem aus einer präzisen Form ein Unikat wird.


4) Trocknen bis zur Greenware
Nach der Oberflächenarbeit trocknet die Tasse vollständig durch. In diesem Stadium spricht man von **Greenware** (grüne Ware): ungebrannter, trockener Tonkörper. Die Trocknung braucht Zeit und Gleichmäßigkeit. Zu schnelles Trocknen kann zu Spannungen und Rissen führen, deshalb ist Geduld hier Teil der Qualität.

5) Erster Brand, Glasur und zweiter Brand
Die Greenware wird im ersten Brand zum Schrühbrandstück. Danach glasiere ich die Tasse. Bei „Noa“ ist genau hier wieder die Kraterstruktur entscheidend: Sie beeinflusst, wie sich die Glasur setzt, bricht und Tiefe erzeugt.
Im zweiten Brand verbindet sich die Glasur mit dem Scherben. Erst dann zeigt sich das finale Zusammenspiel aus Form, Oberfläche und Farbverlauf.

Warum ich mit Slip Casting arbeite
Slip Casting gibt mir die Möglichkeit, konsistente Formen zu entwickeln, ohne den handwerklichen Charakter zu verlieren. Durch die manuelle Bearbeitung im lederharten Zustand – besonders bei „Noa“ – wird jede Tasse individuell.
Am Ende soll sich die Tasse nicht nur gut ansehen lassen, sondern sich im Alltag richtig anfühlen: in der Hand, beim Trinken, bei jedem Kaffee.
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Wenn du den Prozess in Bewegung sehen möchtest, schau dir mein Reel an:

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